Lernen mit der Lernkartei


offene Lernkartei, die einzelnen Fächer sind zu sehen

Was ist eine Lernkartei?

Eine Lernkartei ist ein Karteikasten mit einzelnen Fächern.

Wozu dient die Lernkartei?

Eine Lernkartei dient zum systematischen Lernen.

Die Lernbox eignet sich für alle Fächer, in denen Fakten gelernt werden müssen. Es lassen sich z.B. Daten für Geschichte oder Geografie oder Vokabeln lernen.

Wie wird mit der Lernkartei gelernt?

Die folgende Beschreibung wurde für das Lernen von Vokabeln formuliert, gelernt werden englische Vokabeln.

Die Vokabeln werden auf Karteikarten geschrieben. Auf der Vorderseite steht das deutsche Wort, auf der Rückseite das englische Wort.

Buch

Vorderseite

book

Rückseite

Alle neuen Karteikarten kommen in das erste Fach der Lernkartei.

Ansicht der unterschiedlich großen Fächer in der Lernkarteibox
Die Fächer in der Lernkarteibox sind unterschiedlich groß. Fach 1 ist am kleinsten.
schematische Darstellung der Fächer der Lernkartei, grüne Pfeile zeigen den Weg bei gekonntem Inhalt
Die grünen Pfeile zeigen den Weg der Karteikarten bei gekonntem Inhalt.
schematische Darstellung der Fächer der Lernkartei, grüne Pfeile zeigen den Weg bei noch nicht gekonntem Inhalt
Die roten Pfeile zeigen den Weg der Karteikarten bei noch nicht gekonntem Inhalt.
  1. Alle neuen Vokabeln kommen in Fach 1 der Lernbox. Der Schüler liest das deutsche Wort und schreibt dann das englische Wort. Nun dreht er die Karteikarte um und kontrolliert das englische Wort. Ist die Schreibung richtig, so wandert die Karteikarte in Fach 2. Ist die Schreibung falsch, so bleibt die Karteikarte in Fach 1.

  2. Danach kommen Wörter aus dem zweiten Fach dran. Wird ein Wort beherrscht, so wandert es in Fach 3, wird es falsch geschrieben, kommt es in Fach 1.

  3. Nun sind die Wörter aus dem dritten Fach dran. Bei Richtigschreibung wandern die Karteikarten in Fach 4.

  4. Als Nächstes ist das vierte Fach an der Reihe. Aus diesem Fach werden die Wörter nur dann behandelt, wenn sie mindestens zwei Wochen in diesem Fach waren. Bei Richtigschreibung wandern die Karteikarten in Fach 5 und machen dort eine Pause von einem Monat.

  5. Schließlich werden Wörter aus dem fünften Fach behandelt, sofern sie mindestens einen Monat in diesem Fach waren. Bei Richtigschreibung gelten die Wörter als gelernt.

Wie oft soll mit der Lernkartei geübt werden?

Das Üben in Partnerarbeit sollte mehrmals pro Woche in Phasen von 10 bis 15 Minuten erfolgen. Wesentlich längere Übungsphasen sind nicht kindgemäß und lernpsychologisch abzulehnen. Es ist nicht sinnvoll, einmal pro Woche eine Stunde am Stück mit der Lernbox zu arbeiten. Fünfmal 12 Minuten sind dagegen sehr effektiv.

Speicherung im Langzeitgedächtnis

Um eine Speicherung im Langzeitgedächtnis zu erreichen, sind zwischen dem Bearbeiten der Karteikarten Zeitabstände einzuhalten.

 Fach 1 Fach 2 Fach 3 Fach 4 Fach 5
 keine 1-2 Tage 2-3 Tage 1-2 Wochen 1-2 Monate

In den Fächern 1, 2 und 3 der Lernbox können die Wörter täglich bearbeitet werden. In Fach 4 ruhen die Wörter dann 1-2 Wochen lang und in Fach 5 haben sie eine Pause von 1-2 Monaten. Durch diese zeitlich versetzten Wiederholungen wird die Speicherung im Langzeitgedächtnis gesichert.

Die angegebenen Zeitabstände wurden in der Praxis getestet. Abweichungen hiervon sind in Richtung von Verlängerungen unproblematisch. Man wird nicht immer am nächsten Tag weiterlernen können. Aber sehr kurze Verweildauern der Karteikarten sollten vermieden werden.

Wenn regelmäßig mit der Lernkartei geübt wird, dann werden die Karteikarten der ersten drei Fächer fast automatisch in den richtigen Zeitabständen wiederholt. Bei den Karteikarten im 4. und 5. Fach kann das Datum der Wiederholung auf der Rückseite der Karteikarte notiert werden.

Die Arbeit mit der Lernkartei beginnt deshalb grundsätzlich mit dem Lernen der Wörter aus den ersten Fächern. Damit die zu lernende Menge nicht zu groß wird, sollten in den ersten zwei Fächern nicht mehr als etwa 10-30 Kärtchen sein (je nach Alter und Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler), im dritten Fach nicht mehr als etwa 20-40.

Motivation beim Lernen mit der Lernkartei

Ansicht des einem Smily ähnelnden Vorderteils der Lernbox

Beim Lernen mit einer Lernkartei erfolgt das Lernen meistens in Partnerarbeit. Ein Partner (z.B. Mitschüler, Mutter, Vater) liest den Text der Karteikarten vor und überprüft die Antworten des Lernenden.

Wird der Inhalt von Karteikarten gekonnt, so wandern diese von Fach zu Fach, bis sie im letzten Fach ankommen. Der Erfolg des Lernens wird direkt sichtbar und Erfolg motiviert. Ein Lob des Lernpartners bringt zusätzliche Motivation.

Einige Karteikarten werden jedoch häufiger wiederholt werden müssen, bevor der Inhalt gespeichert wurde. Hier hilft geduldiges Wiederholen und auch ein tröstendes Wort des Lernpartners.

Vorteile der Lernmethode

4 Lernkarteien in den Farben blau, rot, gelb und grün
  • Speziell die nicht beherrschten Wörter werden oft wiederholt.
  • Die gekonnten Inhalte durchlaufen die Lernkartei ohne viel Lernaufwand.
  • Nicht gekonnte Inhalte werden so oft wiederholt, bis sie behalten werden. Die Lernmethode ist somit lernökonomisch.
  • Durch die Wiederholungen in sich verlängernden Zeitabständen erfolgt die Speicherung im Langzeitgedächtnis.
  • Die Fortschritte werden in der Lernkartei sichtbar. Und Erfolge motivieren zum Weiterlernen.

Geschichte der Lernkartei

Die Idee der Lernkartei geht zurück auf Sebastian Leitner. In seinem Buch "So lernt man lernen" schlägt er eine Lernkartei in einer Länge von 30 cm vor. Die einzelnen Fächer haben die Größe von 1 cm, 2 cm, 5 cm, 8 cm und 14 cm. Immer wenn ein Fach voll ist, sollen Karten aus diesem Fach wiederholt werden.

Änderungen gegenüber den Angaben Leitners

Für die Praxis ist eine Lernkartei in der Gesamtlänge von 30 cm ziemlich groß. Bei einer Papierstärke von 180g passen mehr als 1.000 Karteikarten in eine solche Lernbox.

Je nach Lernstoff und Anzahl der Karteikarten sind nach Leitners Methode die Zeitabstände bis zur Wiederholung zu hoch bzw. die Fächer werden nicht voll, womit dann eine Wiederholung unterbleiben würde.

Die Größe unserer Lernkartei und die Definition der Lernmethode orientiert sich an den Erfordernissen der Schülerinnen und Schüler. Deshalb weichen die Größe unserer Lernbox und die Lernmethode mit der Angabe von Zeitabständen von der ursprünglichen Darstellung Leitners ab.

Literatur zur Lernkartei

Die Liste enthält eine Auswahl an Literatur, die für den Bereich Lernkartei interessant ist.

Grolimund, Fabian (2016). Mit Kindern lernen. Bern: Hogrefe.

Leitner, Sebastian (1972). So lernt man lernen. Der Weg zum Erfolg. Freiburg: Herder.

Mietzel, Gerd (2017). Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens. Göttingen: Hogrefe.

Petermann, Franz & Petermann Ulrike (2018). Lernen – Grundlagen und Anwendungen. Göttingen: Hogrefe.

Rietzler, Stefanie & Grolimund Fabian (2018): Clever lernen. Bern: Hogrefe.

Scheerer-Neumann, Gerheid (2015). Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie. Stuttgart: Kohlhammer.